Alice-Prausnitz-Weg

Alice Prausnitz

Zu sehen ist ein Portrait von Alice Prausnitz
1906-1996, Richterin
Sie zählte zu den wenigen Jurastudentinnen in den 1920-er Jahren in Kiel. Referandarzeit in Kiel. Assessorexamen in Berlin. Das war vorerst gleichbedeutend mit dem Abbruch ihrer beruflichen Laufbahn. Im nationalsozialistischen Deutschland waren Akademikerinnen nicht erwünscht, am allerwenigsten solche, die die Staatsgewalt repräsentierten. Die Frauen erhielten sofort nach bestandenem Assessorexamen die Entlassungsurkunde aus dem Staatsdienst. So auch Alice Prausnitz. Zusätzlich mit dem Stigma der Halbjüdin versehen, blieb ihr nicht einmal die berufliche Variante als Anwältin zu arbeiten. Als Sekretärin und Bürokraft verdiente sie sich in den folgenden Jahren recht kümmerlich ihren Lebensunterhalt, bis sie dann im Mai 1945 von den Amerikanern ihre Zulassung als Anwältin erhielt.
Als sie dann zu Beginn der 1950-er Jahre nach Hamburg zog, wurde sie eine der ersten Frauen im Richteramt. Bis 1974, dem Tag ihrer Pensionierung und dem dann folgenden Umzug nach Plön, übte sie als Landgerichtsdirektorin und später als Vorsitzende einer der beiden Wiedergutmachungskammern engagiert und mit hohem Ansehen ihren Beruf aus. Ihr ehrenamtliches Engagement, welches in Hamburg dem Deutschen Frauenring und dem Richterverein gegolten hatte, setzte sie in Plön bei der VHS, der Kirche und anderen fort. Alice Prausnitz verstarb 90jährig in Plön, unvergessen bei jenen, denen sie ein berufliches und menschliches Vorbild war. ... eine mutige Frau, die engagiert für Gleichberechtigung eintrat und sich dagegen verwahrte, dass Frauen immer nur in Mietekammern und typischen Kochtopfprozessen eingesetzt wurden.